Wir berichteten ja bereits. Jetzt ist es wohl amtlich.
Zinedin Zidane, der die Weltmeisterschaft genauso spektakulär wie gewalttätig und dumm für sich beendete, muss irgendwo untergebracht werden. Es ist offenbar mit manchen Sportlern so wie mit ausgedienten Politikern.
Nun bekommt er einen Auftrag aus dem Ausland. Die Kinder unserer österreichischen Nachbarn sollen nun ein neues Vorbild bekommen, um dem allgemeinen Trend zur Jugendgewalt abzuschwören. Dazu hat der Minister Buchinger – dessen Ressort ja das “Soziale” ist – Zinedin Zidane auserkoren.
Welches Vorbild liefert er? Was qualifiziert ihn zum neuen Idol?
Minister Buchinger meint, eine neue, bisher nicht abgenutzte und daher medial gut vermarktbare Idee zu haben, und erklärt das so:
“Gerade Zidane sei für eine solche Kampagne geeignet – schließlich habe der Fußballer seinen Kopfstoß bereut und sich bei seinem Kontrahenten entschuldigt…” (Zitat Wiener Zeitung)
Doch so neu ist die Idee, einen alten Haudegen als Vorbild für die jungen Wilden zu nehmen, gar nicht.
Auch der deutsche Bundespräsident und gewisse Fast-Noch-Ministerpräsidenten sind der Meinung, auf diesem Weg der Gesellschaft etwas Gutes zu tun.
Ehemalige Boxer mit krimineller Karriere bauen Projekte auf, in denen gewalttätige Jugendliche durch Box-Training gestählt und mit militärischem Drill geschunden lernen sollen, der Gewalt endlich abzuschwören. Dafür bekommen sie sogar ein Bundesverdienstkreuz- vielleicht sogar am Band – jedoch ohne jeden “Verdienst” vorher wirklich nachgewiesen zu haben.
Was lernen wir daraus?
Man(n) sollte sich erstmal ordentlich daneben benehmen, um in den Knast zu kommen. Wenn man danach im Rahmen der Bewährungshilfe einen Boxkurs – durch Steuergelder finanziert – absolviert hat, so sollte man um Spenden anhalten, mit dem Vermerk, man sei doch jetzt qualifiziert, ein pädagogisches Projekt mit einigen Angestellten und vielen gewalttätigen Jugendlichen zu leiten.Schließlich “sei man ja auch so ein Schlimmer gewesen” und wolle den Jungen jetzt zeigen, wie es richtig geht. Anschließend bettelt man irgendjemand Wichtigen an, um fürs “Verdienstkreuz” vorgeschlagen zu werden. (Solche Kreuze bekommen eben auch Personen, die eine mitleidserregende Geschichte erzählen können.) Zuletzt wird man in Talkshows herumgereicht und da kann man wieder die Geschichte erzählen, nach der man vom Saulus zum Paulus wurde und so werden immer mehr Jugendamtsleiter auf einen aufmerksam. Von denen bekommt man dann die Jugendlichen und die entsprechenden Tagessätze an Geld für die hervorragende pädagogische Leistung, die man an ihnen erbringt.
Doch zurück zu Herrn Buchinger und seiner Idee:
Zinedin Zidane hat heftig zugestoßen. Und sich danach aufgrund des Drucks der Medien “entschuldigt” – doch :
… Fakt ist, dass sich Zidane für den Kopfstoß tatsächlich entschuldigt hat. Bereut hat er ihn eigenen Angaben zu Folge aber nicht, da Materazzi davor seine Schwester beleidigt hatte.
(Wiener Zeitung)
Doch diese Kleinigkeit ist Politikern wie Herrn Buchinger offenbar gleichgültig. Er verfolgt seine “brilliante Idee”.
Unser Resummee: Politische Kampangnen zum Thema Jugendgewalt bewegen sich mittlerweile auf einem solch niedrigen interlektuellen Niveau, das kaum ein Sonderschüler beim Bücken je erreichen könnte.
Und einige deutschsprachige Minister haben ein Männerbild verinnerlicht, das den Anfängen des 20. Jahrhundert entspringt und ihnen gleichsam huldigt.
Unsere Leseempfehlung lautet: Bescheuertheit, von Rainer Paris,
Professor für Soziologie an der FH Magdeburg
© Forum Intervention 2008
… Fakt ist, dass sich Zidane für den Kopfstoß tatsächlich entschuldigt hat. Bereut hat er ihn eigenen Angaben zu Folge aber nicht, da Materazzi davor seine Schwester beleidigt hatte.