Ich dachte glatt, ich falle vor lauter Erstaunen ins Koma, als ich gestern die “BRIGITTE” las…
Eine (meinem Zustand fast gleichnamige) Autorin machte sich erneut über das Thema “häusliche Gewalt gegen Frauen” her und verstieg sich zu der Forderung, Erziehungscamps für prügelnde Ehemänner einzurichten.
Zitat:
Zehntausende, wenn nicht gar hunderttausende Frauen werden zudem jedes Jahr von ihren Partnern geschlagen, gewürgt, mit Gegenständen attackiert. Genaue Zahlen fehlen. Anhaltspunkte liefert eine im Jahr 2004 veröffentlichte repräsentative Studie des Bundesfamilienministeriums: Jede vierte befragte Frau gab an, sie sei bereits einmal von ihrem Partner schwer misshandelt worden. “Der gefährlichste Ort für Frauen ist ihr Zuhause”, behaupten Experten, die sich mit dem Thema Partnergewalt beschäftigen. Und sie sagen auch: “Eine Trennung ist immer ein Risiko für die Frau.” Für viele Männer ist es offenbar schwer auszuhalten, dass die Frau eigene Wege gehen will. Oder sich einem anderen Mann zuwendet.
Doch seltsam: Kein Aufschrei geht durchs Land, in keiner Talkshow wird gefragt: “Was ist nur mit den deutschen Ehemännern los?” Keine Innenministerkonferenz mit dem Topthema “Partnergewalt” wird einberufen. Auch Forderungen nach Erziehungscamps für prügelnde Ehemänner oder einem obligatorischen Psycho-Training vor der Hochzeit (“Wie trage ich Konflikte gewaltfrei aus”?) wurden bisher nicht laut. Kein Spitzenkandidat einer Partei hat bislang mit dem Vorschlag provoziert, Wiederholungstäter sollten auf eine einsame Insel ausgewiesen werden.
… schreibt Beate Koma, und entfacht auf der Internetsite der BRIGITTE eine heftige Diskussion.
Sehr geehrte Frau Koma!
Ich weiß, wir haben Meinungsfreiheit – das bedeutet, man muss nicht einmal nachdenken, bevor man etwas sagt. Doch im Journalismus sollte man vor einer “haltbareren”, weil schriftlichen Absonderung der eigenen Gedankengänge zummindest recherchieren, damit man nicht völligen Unsinn veröffentlicht.
Der Artikel ist einfach überhaupt nicht recherchiert, möchte man meinen. Er richtet sich derart gnadenlos ideologisch gegen eine Hälfte der Bevölkerung – nämlich Männer – dass man meinen könnte, die “BRIGITTE” Autorin möchte sich ihre komplett eigene kleine Welt der Unwahrheiten konstruieren.
Heute, also im Jahr 2008 darüber zu fabulieren, Gewalt gegen Frauen würde noch immer tabuisiert und würde nicht auf den Agenden aller Würdenträger und -trägerinnen ganz oben stehen, ist der ablsolute Gipfelsturm an Verstiegenheit.
Die Gewalt von Ehemännern oder Lebenspartnern gegen Frauen wird synonym mit dem Begriff “häusliche Gewalt”geradezu permanent in Zeitungen, Zeitschriften, Talkshows etc. behandelt, obwohl sie nur einen Bruchteil des gesamten Phänomens der häuslichen Gewalt abbildet. Die Gewalt gegen Kinder, gegen alte Menschen und gegen Männer wird ausgeblendet, vermutlich nicht zuletzt, weil hier zu oft Frauen als Täterinnen nachweislich anzuführen wären.
Nein, diese “Leistung” von Frau Koma ist einfach nicht mehr zu toppen in einer Zeit, in der wöchentlich seit Monaten über immer mehr Fälle von mordenden Müttern berichtet wird.
Die “BRIGITTE” läuft mit solchen Artikeln Gefahr, sich zu einer Zeitschrift zu entwickeln, in der ausdrücklicher Männerhass zum inhaltlichen Markenzeichen und zur journalistischen Kür erklärt wird. Und das trotz eines männlichen Chefredaukteurs…
Eva Hermann (man mag zu ihren Inhalten stehen, wie man will, und ich teile sie keineswegs) wurde vom NDR geschasst und von Kerner hinauskomplimentiert, weil sie angeblich den Sprachgebrauch der Nazis benutzt hätte. Dabei hat sie unter anderem nur den Begriff “Autobahnen” benutzt.
Das Wort “Erziehungslager” und die damit verbundene Ideologie wird aber in “denglischer” Formulierung immer mehr salonfähig. Erst für gewalttätige Jungen, jetzt für Ehemänner, und zuletzt in der “BRIGITTE”.
B. Oelemann
