Standards für die Arbeit mit Tätern BAG Täterarbeit HG, eine kritische Betrachtung

Jetzt können wir ausführlicher unsere Kritik an den Standards deutlich machen.
Anlässlich der Tagung in der Kriminologischen Zentralstelle Wiesbaden im Oktober 2008 hat Frau Seifert-Wieczorkowsky Stellung auch u.a. zum “Gesetzesentwurf zur Stärkung der Täterverantwortung” genommen. In dieser Stellungnahme werden auch Kritikpunkte an den Standards der BAG deutlich.

Nun ist es soweit, die erste Veröffentlichung über Standards in der Täterarbeit für das Hellfeld ist draussen – mit staatlicher Unterstützung. Unter BAG.Täterarbeit wird man fündig.

Auch wir hatten im Vorfeld unsere Mitarbeit in der “Bundesarbeitsgemeinschaft” angeboten, immerhin sind wir schon sehr lange in der Arbeit mit gewalttätigen Männern tätig und vergfügen europaweit über die längste Erfahrung in der Arbeit mit Tätern.

Doch offenbar will oder wollte man uns ausschließen, denn: unser Schreiben mit dem Angebot der Mitarbeit wurde schlicht ignoriert. Einerseits schade, doch wahrscheinlich kein Zufall.

Zum Inhalt des Vorhabens der Bundesarbeitsgemeinschaft:

1. Definition des Gewaltbegriffs:
Wohl wissend, dass nur ein Ausschnitt der Gewalt betrachtet wird, gelten die >Standards< hier nur für die Gewalt von Männern gegen Frauen. Verstanden wird unter dem Begriff “Gewalt”:

Als Gewalt wird in diesen Standards jede zielgerichtete Verletzung der seelischen und körperlichen Integrität einer anderen Person verstanden. Häusliche Gewalt beinhaltet ein Muster von kontrollierendem Verhalten, das die körperliche und seelische Integrität einer anderen Person verletzt. Dies kann ernsthafte und lang anhaltende negative Auswirkungen auf Wohlergehen, Selbstwertgefühl, Autonomie, körperliche und seelische Gesundheit der geschädigten Person haben. Häusliche Gewalt beinhaltet physische, psychische, sexualisierte, soziale, emotionale und ökonomische Gewalt, Isolation, Stalking, Bedrohung und Einschüchterung.

Also quasi alles , was auch unter die feministische Definition von “Macht” fällt, die Männer aus der Sicht von einigen Frauen haben.

Bereits hier stellt sich die Frage, was in der standardisierten Täterarbeit unter “soziale” oder “emotionale” “ökonomische” Gewalt fällt, bzw. was unter Isolation verstanden werden soll.
Der Gewaltbegriff wird hier fast inflationär und nicht differenziert und phänomenologisch beschreibend eingesetzt. Die Folgen liegen auf der Hand: Die Definition, was konkret häusliche Gewalt bedeutet, bleibt im Unklaren und wird so “nach Bedarf” in jedem Falle neu interpretierbar. Dies wirkt sich – wie wir noch sehen werden- negativ auf die Möglichlkeiten gezielter und vor allem wirkungsvoller Konfrontationen in der konkreten Arbeit mit den Männern aus.

2. Vernetzung

Eine Vernetzung der Täterarbeitseinrichtungen auf Landes- und Bundesebene sowie die Orientierung an nachfolgenden Minimalstandards fördert die Qualitätsentwicklung, Qualitätssicherung und Transparenz der Täterarbeit HG und kann dadurch zur Verbesserung des Opferschutzes beitragen. … In begründeten Fällen kann Gruppenarbeit durch Einzelarbeit ersetzt werden. Für die Gruppenarbeit können Einzel-und Paarberatung in bestimmten Fällen unterstützende Maßnahmen sein. Die Finanzierung von Täterarbeit HG darf nicht auf Kosten von Frauenunterstützungsarbeit erfolgen.

Also kommen wieder “feministische Ziele” ins Gespräch… dabei sollte es doch eigentlich um Männer gehen, um Täter zudem, unter dem erklärten Ziel der Gewaltlosigkeit.

Offenbar sollen die Beratungen der Täter ausschließlich zuerst im Gruppenverfahren durchgeführt werden, ein Vorgehen, das geradezu jeden therapeutischen Sachverstand vermissen lässt.

Für mittlerweile fast jede psychische oder soziale Auffälligkeit gibt es in Deutschland zuerst Einzeltherapie oder Einzelgespräche, Experten, diffenzierte Beratungsverfahren etc. pp.

Nur gewalttätige Männer sollen nach Ansicht der Autor(inn)en direkt in eine Gruppe.
Von der weitverbreiteten Homophobie und den vielfach in der Literatur beschriebenen Auswirkungen vom Gruppenzwang unter Männern, die zudem überhaupt nicht gewohnt sind, über Gefühle zu sprechen, haben die Autoren der Standards offenbar keine Kenntnisse.

Doch weiter im Text:

Täterarbeit HG ist ein unterstützendes Angebot zur Verhaltensänderung für gewalttätige Männer. Dabei ist Opferschutz ein unverzichtbarer Bestandteil von Täterarbeit HG, deshalb muss jedes ihrer Handlungsziele die Sicherheit der (Ex-) Partnerinnen und deren Kinder steigern und daraufhin überprüfbar sein. Grundlage der Arbeit ist ein positives Menschenbild, welches das gewalttätige Verhalten, jedoch nicht die Person an sich ablehnt. Neben einer respektierenden Grundhaltung gegenüber teilnehmenden Männern bestehen folgende Prinzipien:

Konflikt- und Gewaltverhalten ist zu differenzieren.
• Häusliche Gewalt ist inakzeptabel und muss verhindert werden.
• Täter müssen für ihr gewalttätiges Verhalten zur Verantwortung gezogen werden.
• Verhaltensänderungen können durch eine intensive Auseinandersetzung mit dem eigenen Verhalten im Rahmen von Täterarbeit HG erreicht werden.
• Ein effizientes Vorgehen gegen häusliche Gewalt wird durch ein Zusammenwirken von Politik, Justiz, Polizei, Einrichtungen des Sozial- und Gesundheitswesens, Gesellschaft und jedem Einzelnen gewährleistet.
Täterarbeit HG soll positive soziale Beziehungen auf der Grundlage von gegenseitiger Akzeptanz und Gleichberechtigung fördern.

Auch hier werden sofort Widersprüchlichkeiten offensichtlich. Einerseits soll der Mann respektiert werden, andererseits muss er kontrolliert werden.

Hier wird das Misstrauen auf Klientenseite bereits durch das therapeutische Setting erzeugt und das ohnehin vorhandene sozial überangepasste Verhalten der Männer in den “Standards” geradezu geschührt.

Wie soll hier zwischen Konflikt- und Gewaltverhalten differenziert werden, wenn der Gewaltbegriff so ausweitend und unscharf (siehe oben) formuliert ist?
Die AutorInnen postulieren hehre Zielvorgaben (positives Menschenbild, Respekt…) die sie jedoch gleich wieder durch die Unschärfe in Zielbeschreibungen und Ausführungsbestimmungen torpedieren.

Artikel in Bearbeitung::: noch unfertig

Kammer engagiert sich gegen Gewalt

aus: http://www.aerzteblatt.de/v4/news/news.asp?id=28732
Kammer engagiert sich gegen Gewalt

Freitag, 8. Juni 2007

Dresden – Gegen häusliche Gewalt und Gewalt in der Familie engagiert sich die Landesärztekammer Sachsen. Der Vorstand der Kammer hat dazu am 6. Juni die Kommission „Gewalt gegen Kinder/ Misshandlung Minderjähriger“ in „Kommission Häusliche Gewalt – Gewalt in der Familie“ umbenannt.

„Nach amerikanischen Studien findet in bis zu 60 Prozent der Fälle bei Gewalt zwischen Lebenspartnern zusätzlich auch Gewalt gegen Kinder oder gegen betagte Menschen statt. Aus diesen Gründen ist die Neuausrichtung der Kommission notwendig“, erläuterte deren Vorsitzende Christine Erfurt, Oberärztin am Institut für Rechtsmedizin am Universitätsklinikum in Dresden.

Die Kommission wird laut Erfurt ihre Arbeit auf die oben genannten Zielgruppen erweitern und mit weiteren Experten zusammenarbeiten. „Eine Aufgabe wird es auch sein, die interprofessionelle Zusammenarbeit von Einrichtungen des Gesundheitswesens mit lokalen Institutionen für Gewaltopfer zu fördern“, so Erfurt. © hil/aerzteblatt.de

“Häusliche Gewalt: wir holen sie daraus”

Beratungsstelle „Komm An” , Stefan Waschlewski, Dipl. Psychologe

Redebeitrag zur Podiumsdiskussion “Häusliche Gewalt: wir holen sie daraus”

Die oft gestellte Frage, warum schlagen Männer ihre Partnerinnen, warum tun sie ihnen das an, ist einfacher zu beantworten, wenn man diese Frage umformuliert:



Wozu dient gewalttätigen Männer eigentlich ihre Gewalt, welche Vorteile haben Sie davon?

Oft liegen zunächst einmal die Nachteile auf der Hand: Mögliche strafrechtliche Konsequenzen – Beziehungsabbrüche – Schwierigkeiten mit dem eigenen Selbstbild usw. Männer zerschlagen häufig das, was sie sich am meisten wünschen, nämlich Nähe und Idylle in der Partnerschaft. Was sind also die Vorteile ihrer Gewalt?

Um das zu verstehen, ist es hilfreich, sich einmal beispielhaft anzugucken, wie der so genannte Gewaltkreislauf abläuft. Ein Mann berichtete über eine seiner ersten Gewalttaten gegenüber seiner Frau: Er war mit ihr auf einer Fete eingeladen und nach kurzer Zeit entschied die Frau dieFeier zu verlassen, um mit ein paar Freundinnen in eine Kneipe zu gehen. Er versuchte sie zu überreden bei ihm zu bleiben, aber ohne Erfolg. Als sie weg war, wurde er von mehreren Bekannten angesprochen, was denn los sei und der Verdacht stand im Raum, seine Frau könne einen anderen Mann in der Kneipe treffen.

Nachdem der Mann einige Zeit so getan hat, als wäre es ihm egal, verließ er dann ebenfalls die Feier und klapperte die Kneipen in der Umgebung ab. Als er durch das Fenster einer Kneipe seine Frau in den Armen eines anderen Mannes liegen sah, ging er in die Kneipe auf seine Frau zu und stellte die Frage, was das solle.

Darauf fing die Frau an, ihn zu beleidigen und gab ihm den Rat, er solle sie in Ruhe lassen. Schließlich schlug der Mann seine Frau mehrfach ins Gesicht und wurde von anderen Männern schließlich zurückgehalten. Anschließend verließ er die Kneipe und ging nach Hause. Am nächsten Tag nahm er Kontakt mit seiner Frau auf und entschuldigte sich bei ihr mit einem Strauß Blumen.

Gesprochen über diesen Abend haben die beiden nie. Das Thema Gewalt wurde verschwiegen. In Zukunft nahm die Häufigkeit der Gewalttätigkeiten bei Konflikten und Auseinandersetzungen zu. Nach der Gewalt kam es immer zum Blumenstrauß und zum Schweigen.

Die Frage, wie es ihm eigentlich in den einzelnen Sequenzen ging, kann der Mann zunächst nur sehr grob beantworten: gut oder schlecht. Eine differenzierte Gefühlswahrnehmung gilt es in der Beratung oft erst zu entwickeln. Als wir schrittweise die Handlungsabläufe des Gewaltkreislaufs durch die emotionalen Befindlichkeiten ergänzt haben, wurde etwas deutlich, was in allen Gewaltkreisläufen ähnlich ist. Als der Mann erfuhr, dass seine Frau die Fete verlassen will, war er besorgt um seine Beziehung. Außerdem war er enttäuscht, weil er sich auf den gemeinsamen Abend gefreut hat. Ja er war sogar mehr als enttäuscht, nämlich richtig traurig.

Als er dann das Gespräch mit ihr suchte und merkte, dass er sie nicht zum Bleiben animieren konnte, fühlte er sich hilflos. An dem Tag selber, merkte der Mann seine Hilflosigkeit, Enttäuschung, Trauer und Angst selber gar nicht richtig, hätte man ihn gefragt, wie es ihm geht, hätte er geantwortet: “Scheiße.”

Folgerichtig hat er diese Gefühle nicht in Kontakt gebracht, weder gegenüber seiner Frau noch gegenüber seinen Bekannten. Auf der Suche nach ihr verstärkten sich diese Gefühle. Als er seine Frau entdeckte, maximierte sich seine Angst und seine Hilflosigkeit. Hätte man ihn gefragt, wie es ihm geht, hätte er wütend gesagt.

Natürlich waren Ärger und Wut im ganzen Verlauf auch präsent, aber prinzipiell als sekundäre Gefühle, die sich über die primären Gefühle Angst, Enttäuschung, Trauer und Hilflosigkeit legen. In dem Moment als er zuschlägt, merkt der Mann alle diese Gefühle nicht mehr. Während des aktiven Schlagens merkt er gar nichts. Kurz danach sind alle beschriebenen Gefühle aber wieder da. Die Angst vor einem Beziehungsabbruch ist größer denn je zuvor und zusätzlich kommt die Angst vor strafrechtlichen Konsequenzen. Sein Selbstbild („was habe ich da gemacht”) ist ebenfalls angeknackst.


Zurück zu der Frage, welchen Vorteil haben gewalttätige Männer durch ihre Gewalt?

Es geht prinzipiell immer darum, dass sie bestimmte Gefühle nicht zu sich nehmen wollen.

Gefühle die sie als schwach bewerten bzw. die sie selbst für den Fall, dass sie sich so fühlen würden als schwach dastehen lassen. Im Gewaltkreislauf wird deutlich, dass diese Gefühle sich immer mehr verstärken. Die Gewalttat dient dann dazu, diese Gefühle nicht mehr haben zu müssen (oft formuliertes Zitat: durch Täter:

Als ich zuschlug, war der Druck erst mal weg.

Wenn ein Mann zuschlägt, merkt er in dem Moment gar nichts und darin liegt der Vorteil, denn er muss sich für einen Moment nicht mit Hilflosigkeit, Angst o. ä.Gefühlen auseinandersetzen. Er kompensiert sie durch Gewalt. Das Ganze hat nur ein Problem. Direkt nach der Gewalttat sind alle Gefühle wieder da und in der Regel kommen weitere unangenehme Gefühle (Beziehungsverlust-Angst, Angst vor Strafjustiz) hinzu.

Das Entschuldigen und Schweigen darüber hat ebenfalls die Funktion, eine emotionale Auseinandersetzung darüber zu vermeiden. Die Opfer sind aus Angst oft froh, dass es erst mal vorbei ist und der Täter hat kein Interesse, sich mit der schamvollen Seite seines Handelns auseinander zu setzen. Beim nächsten Konflikt beginnt dann möglicherweise alles von vorne. Wird dem Täter in der Beratung diese Dynamik klar, ist es häufig möglich, ihn darüber zu motivieren, seine Gewalt zu beenden, denn es wird ihm schnell deutlich, dass die Nachteile deutlich überwiegen und die Vorteile zeitlich sehr begrenzt sind. Ein Grund, warum die Beratungsstellen Männer gegen Männergewalt® und die Beratungsstelle Komm An nicht davon ausgeht, dass gewalttätige Männer nur über Zwang zu „motivieren” sind, in Beratung oder Therapie von ihrer Gewalt wegzukommen.

Die Entscheidung, die jeder Mann in der Beratung irgendwann treffen muss, ist die, ob er das in ihm gewachsene Männerbild (ein Mann muss immer stark sein, seineProbleme selber lösen, darf nicht weinen….) verändern will oder nicht. Allein anhand dieser Frage wird deutlich, dass Männergewalt einen sozialisationsbedingten Hintergrund hat. Schon mit der Schwangerschaft beginnt das Geschlecht des Babys zu einer bedeutsamen Frage zu werden.

Eine Studie verdeutlicht, wie sehr das Geschlecht schon in frühen Jahren eine Rolle dabei spielt, mit welchen Attributen ein Kind belegt wird.


Probanden wurden zu einem Versuch eingeladen. Man erzählte ihnen, sie mögen im Wartezimmer warten, da der Versuchsleiter noch im Stau steht. Im Wartezimmer waren sie dann alleine mit einem Baby , das angeblich zu der Sekretärin gehörte. Die Sekretärin bat die Leute ein Auge auf das Kind zu haben, da sie noch etwas im Keller erledigen müsse. Hier lief der eigentliche Versuch bereits. Es wurde aufgenommen, was die Leute zudem Baby sagten und wie sie sich ihm gegenüber verhielten.

Es gab zwei Versuchsanordnungen: Für den einen Teil der Probanden hatte das Baby einen rosa Strampler an und für den anderen einen blauen. Das Baby war immer dasselbe Kind. Während das Baby in blau aufgrund seiner kräftigen Stimme und des schon starken Händedrucks und kräftigen Aussehens auffiel, waren es bei dem Baby in rosa die süßen zarten Händchen, die leise Stimme und überhaupt die ganze Zierlichkeit, die Bedeutung hatten. Schon früh werden Jungen und Mädchen mit bestimmten Attributen belegt. Betrachtet man, wie Jungen groß werden, fällt auf, dass häufig lebbare Männerbilder fehlen.

Viele Jungen wachsen ohne Vater auf. Andere wachsen mit Vätern auf, die sie nur am Wochenende erleben, die aber im Alltag nicht wirklich präsent sind, schon gar nicht emotional. Die wichtigste Person in den ersten 3 Lebensjahren ist in der Regel die Mutter. Ab dem zweiten Lebensjahr spätestens ist Jungen aber klar, sie werden mal ein Mann und keine Frau. Während sie von der Lebenswelt von Männern nicht viel mitbekommen, kriegen sie aber ihre Mütter mit, häufig sehr emotional: genervt,verzweifelt, umsorgend, zärtlich…


Was jetzt häufig beginnt, ist die so genannte “Abgrenzungssozialisation”.

Wenn ich nicht weiß, wie ich als Mann werden muss, werde ich also das Gegenteil von einer Frau. Im Kindergarten und in der Grundschule warten dann in der Regel Erzieherinnen und Lehrerinnen auf die Jungen.

Erst mit den weiterführenden Schulen tauchen hier und da Männer auf. In den Jungen wächst das Bild, anders als Mädchen und Frauen sein zu müssen. Cool, stark, Probleme alleine lösend (wie oft erleben sie es, dass sie den ganzen Tag Stress mit der Mutter haben und der Vater entscheidet abends nach seiner Rückkehr von der Arbeit, welche Konsequenzen das zur Folge hat: während Mama stundenlang das Problem nicht wirklich löst, kommt Papa und präsentiert innerhalbvon zwei Minuten die Lösung.) usw. .

Dahinter steckt oft eine große Not – nämlich mehrmals am Tag die Frage, wie muss ich mich eigentlich als richtiger Junge verhalten? Natürlich ist es nicht so, dass diese Art der Jungensozialisation automatisch gewalttätige Männer heranzieht, aber sie spielt bei gewalttätigen Männern eine große Bedeutung.

Denn häufig erleben die sich in einer der oben beschriebenen Sackgassen. Mit diesem Wissen wird auch deutlich, warum es wichtig ist, dass in der klassischen Gewaltberatung wir nicht von Psychologe oder Sozialarbeiter zu Klienten arbeiten, sondern von Männern zu Männern, die einen Zugang zu ihrem eigenen Junge-Sein haben. So merken die Klienten, dass wir wissen wovon wir reden und dass wir vieles vondem kennen, was ihre Geschichte prägt.


So habe ich in aller Kürze zu drei wesentlichen Aspekten, die die Arbeit von Männergegen Männergewalt® und der Beratungsstelle Komm An beschreiben Stellung genommen:

• Primäre Motivation von Gewalttätern ist möglich.
• Männergewalt hat einen geschlechtsspezifischen Aspekt: von daher ist es wichtig, dass Männer mit gewalttätigen Männern arbeiten
• Männergewalt hat einen sozialisationsbedingten Hintergrund.

Wer Interesse hat, die angesprochenen Themen zu vertiefen, dem seien noch zwei Bücher empfohlen, die Joachim Lempert und Burkhard Oelemann geschrieben haben: Endlich selbstbewusst und stark (Schwerpunkt Jungensozialisation) – Ole VerlagHamburg …dann habe ich zugeschlagen. (Schwerpunkt gewalttätige Männer). – DTV. Einiges von dem, was ich hier dargestellt habe, lässt sich anhand dieser Bücher nochvertiefen. Ich danke ihnen für ihre Aufmerksamkeit.

Stefan Waschlewski, geb. 1970 in Wuppertal, verheiratet, ein Sohn und eine Tochter, Diplom-Psychologe, Gewaltberater / -pädagoge©, in Ausbildung zum Systemischen Familientherapeuten (Institut Weinheim),Vorstandsmitglied bei Männer gegen Männergewalt Ruhrgebiet®, seit 2000 Leiter derBeratungsstelle Komm An (Beratungsstelle für gewalttätige Jungen und Männer und derenFamilien) des Evangelischen Verein für Kinder-, Jugend- und Familienhilfe (KJFH) in Wuppertal. Arbeitet dort u.a. mit körperlich und sexualisiert gewalttätigen Jungen und Männern im ambulanten und im stationären Kontext. Zuvor in der Zeit von 1997 – 2000 beteiligt am Aufbau des ambulanten Behandlungsprojekts „Rückfallvorbeugung für sexualisiert gewalttätige Kinder und Jugendliche” bei der Beratungsstelle Neue Wege – Bochum, dort neben der Beratung von sexualisiert gewalttätigen Jungen verantwortlich für die Diagnostik der sexualisiert gewalttätigen Jungen. Veröffentlichung einer Vergleichsstudie zwischen sexualisiert gewalttätigen Jungen und unauffälligen Jungen im Alter von 11 – 17 Jahren.Mitherausgeber des MSI-J (Multiphasic Sex Inventory = Testverfahren für sexualisiert gewalttätige Jungen von 14 bis 18 Jahren).

Beratungsstellen für Selbstmelder(innen)

Weit mehr Menschen, die zuhause oder sonstwo gewalttätig sind, bemühen sich selbst um Veränderung Ihres Verhaltens, als allgemein angenommen wird.

Deshalb haben wir bereits vor annähernd 20 Jahren das Angebot der Gewaltberatung entwickelt.

Gewaltberatung und Gewaltberater (Innen) in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Luxembourg:
logo.gif ein Verzeichnis aller Beratungssstellen.

Natürlich arbeiten wir mit Allen, die sich verändern wollen, also auch mit zugewiesenen Tätern.

Jedoch stellen wir in der Regel keinerlei Bescheinigungen aus, da wir nicht nach den Maßstäben der Justiz (also mit Druck, Strafandrohung und Kontrolle), sondern nach den Regeln einer professionellen und klientengerechten therapeutischen Beratung arbeiten.
Das bedeutet nicht, dass wir uns etwa gegen eine Bestrafung von Gewalttaten aussprechen, eher im Gegenteil. Wir halten Gesetze für notwendig und sinnhaft, weil sie eben auch präventiv wirken.

Doch niemand bessert sich, weil er bestraft wird. Deshalb sind niedrigschwellige Angebote notwendig, die zur Verhaltensveränderung führen. Genau hier setzt unser Angebot an.

Wir plädieren für eine sinnvolle Trennung zwischen juristischen Sanktionen einerseits und verändernder Beratung und Therapie andererseits.

Skandalöse Kampagnen gegen Männergewalt

aus: NOVO

Sabine Beppler über falsch verstandenen Frauenschutz in Deutschland.

“Gewalt gehört für viele Frauen und ihre Kinder in der Bundesrepublik auch heute noch zum Alltag … Ein angemessener gesellschaftlicher Umgang mit Männergewalt und die Inverantwortungnahme der Täter … stehen jedoch noch aus”. (BIG, Berliner Interventionsprojekt gegen häusliche Gewalt)

Häusliche Gewalt ist ein Thema, das seit einiger Zeit ins Zentrum gesellschaftlichen Interesses gerückt ist, vor allem nachdem es vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend zu einem wichtigen Aktionsfeld erklärt wurde. Familienministerin Christine Bergmann spricht von der “täglichen Gewalt gegen Frauen” und davon, dass in Deutschland jede “dritte Frau häuslicher Gewalt ausgesetzt” sei. Dringender Handlungsbedarf sei geboten. Frau Bergmanns besondere Unterstützung gilt daher dem Berliner Interventionsprojekt gegen häusliche Gewalt (BIG), einem Modellprojekt, welches zu sechzig Prozent vom Bund finanziert wurde und 2,3 Millionen Mark gekostet hat. Das Modellprojekt endete im Dezember 1999, soll aber im Jahr 2000 als Clearingstelle weiter arbeiten und Maßnahmen gegen Gewalt an Frauen überprüfen. Das BIG rühmt sich damit, dass es in den vier Jahren seines Bestehens nicht nur die Öffentlichkeit, sondern auch Polizisten sensibilisiert und zahlreiche Gesetzesänderungen zum besseren Schutz der Frauen initiiert hat.

Das BIG und das Bundesministerium für Familie will nicht nur den Frauen als Opfern helfen, sondern auch “Täterarbeit” leisten. Für Frau Bergmann und die Aktivistinnen des BIG geht Gewalt nämlich offensichtlich ausschließlich von Männern aus. Das präsentierte “Täter-Opfer-Bild” ist verblüffend einfach: Täter sind Männer, Opfer sind die Frauen. Konsequenterweise ist durchweg die Rede von “Männergewalt”.

Das hat Gegenreaktionen hervorgerufen. Parallel zu den Initiativen zum Schutz der “Frauen-Opfer” haben sich Männergruppen formiert, die sich gegen das Schwarz-Weiss-Schema wehren. Oft vertreten sie aber ein ebenso einfaches Opfer-Täter-Schema – nur mit veränderten Vorzeichen. Die Gegenrechnung und das Auflisten von “Frauengewalt” ist zwar geeignet, das gängige Bild zu relativieren, doch es trägt dazu bei, das angebliche Gewaltproblem in Partnerschaften hochzuspielen.

Wer bietet mehr?

Das eigentlich Skandalöse an der offiziellen Kampagne “gegen Männergewalt” ist, dass sie sich auf Angaben stützt, die völlig aus der Luft gegriffen sind. Selbst Verfechter der Kampagne müssen zugeben, dass ihre Zahlen, jede dritte Frau erleide häusliche Gewalt, durch keine Statistik zu belegen sind. Bekannt ist lediglich, dass jährlich 2500 “seelisch und körperlich misshandelte Frauen” Zuflucht in den sechs Berliner Frauenhäusern suchen – das sind weniger als 0,2 Prozent der in Berlin lebenden Frauen.

In den USA gibt es seit Jahren ähnliche Kampagnen zum Thema häusliche Gewalt. Das Berliner Interventionsprojekt hat zum Vorbild die amerikanische Organisation Domestic Abuse Intervention Project (DAIP). Doch auch in den USA hat sich gezeigt, dass das Thema “häusliche Gewalt” übertrieben dargestellt wird. In einem Bericht des US-amerikanischen “Centers for Disease Control” wurden Verletzungsursachen, die zu Notaufnahmen in Krankenhäusern führten, ausgewertet. Das statistische Material zeigt, dass häusliche Gewalt an letzter Stelle der Verletzungsursachen steht. Die meisten Notaufnahmen waren Resultate von gefährlichen Stürzen (zumeist ältere Personen; 26,9%), Autounfällen (13,4%), versehentlichem Zusammenprallen mit Objekten oder anderen Personen (7,1%), Tierbissen bzw. Pflanzenvergiftungen (5%), Erschöpfungszuständen (4,6%) und Mord, Totschlag, Körperverletzungen (4,1%). Häusliche Gewalt machte dabei nur einen Bruchteil der letzteren Erscheinung aus (Women’s Freedom Network Newsletter, Frühjahr 1997, Vol.4. Nr.2).

Das amerikanische “US Department of Justice” veröffentlichte im November 1994 Zahlen zu Fällen häuslicher Gewalt. Dem Papier läßt sich entnehmen, dass Frauen häufiger Opfer häuslicher Gewalt sind als Männer. Jährlich würden 572.000 Fälle häuslicher Gewalt gegen Frauen registriert. Laut Statistik sind in den USA 0,5% aller Frauen von häuslicher Gewalt betroffen. Von insgesamt 22.540 Mordfällen waren 16% auf Gewalt zwischen Partnern (Ehepaaren, Freund oder Freundin und Ex-Partnern) zurückzuführen.

Die Behauptung, in Deutschland sei jede dritte Frau von häuslicher Gewalt betroffen, ist eine fast hundertfache Übertreibung und abstruse Konsequenz eines inflationären Gebrauch des Gewaltbegriffs. Das lässt sich aus den Schriften des BIG entnehmen. Unter Gewalt wird hier so ziemlich alles subsumiert, was in einer Zweierbeziehung auftreten kann und nicht als eindeutig harmonisch zu bezeichnen ist (s. “Inflationärer BIG-Gewaltbegriff”). Im Zweifelsfall wird der Begriff Gewalt jeder objektiven Bedeutung beraubt: Gewalt ist dann gegeben, wenn sich eine Frau subjektiv als “Betroffene” empfindet.

Auch Umfragen zum Thema häusliche Gewalt sind aus diesem Grund wenig aussagekräftig, da sich jeder oder jede mit Fug und Recht als Opfer bezeichnen kann, wenn er/sie sich danach fühlt. Dadurch, daß alles als Gewalt bezeichnet wird, werden die wirklichen Fälle von Gewalt abgewertet, da sie ihren Charakter als besonders brutale Einzeltaten verlieren. Ein pragmatischer und dennoch realistischer Gewaltbegriff sollte vernünftigerweise dort Gewalt annehmen, wo für die oder den Betroffenen ein Leidensdruck entsteht, der ausreicht, dass sie oder er den Ort der Peinigung dauerhaft verlässt. Um diese Entscheidung zu erleichtern, sind Frauenhäuser eine sinnvolle Einrichtung.

Privatsphäre ade

Auch wenn jeder Fall wirklicher häuslicher Gewalt ein Fall zu viel ist, ist die jüngste Kampagne gegen häusliche Gewalt von all jenen abzulehnen, für die Selbstbestimmung ein zu verteidigender Wert ist. Die Forderungen der Kampagne stellen eine weitaus größere gesellschaftliche Gefahr dar als das Phänomen “häusliche Gewalt”. Für Menschen, die Opfer von Gewalt werden, sollte es Hilfsangebote geben, doch dies rechtfertigt nicht die von BIG geforderten Gesetzesänderungen, die einen nie da gewesenen Angriff auf die Privatsphäre aller Bürger zur Folge haben.

Die Behauptung, 30 Prozent aller Frauen seien im eigenen Heim nicht sicher, stellt die Familie als einen gefährlichen Ort dar, der um jeden Preis von staatlichen Institutionen wie der Polizei überwacht werden müsse. Aus diesem Grund wird der Arbeit mit der Polizei und der Frage nach Durchsetzung und Verschärfung von Gesetzen besondere Bedeutung beigemessen. In einer Informationsbroschüre des Bundesfamilienministeriums wird erklärt: “Die Bundesregierung ist der Auffassung, dass die Täter häuslicher Gewalt wie die Täter, die ihre Taten in der Öffentlichkeit begehen, zu verfolgen sind und mit staatlichen Sanktionen zu rechnen haben. Häusliche Gewalt gegen Frauen ist keine innerfamiliäre Angelegenheit, in die sich der Staat nicht einzumischen hat.” (Aktionsplan der Bundesregierung, S.19)

Nach offizieller Zählart des Ministeriums hat sich daher der Staat in rund ein Drittel der Familien einzumischen. Vorgeblicher Schutz vor häuslicher Gewalt bedeutet damit Ausweitung polizeilicher Befugnisse in großem Stil. Die dem Berliner Modellprojekt angegliederte “Fachgruppe Polizei” erarbeitete “Handlungsanweisungen für den polizeilichen Einsatz”. Die Gründerin des Interventionsprojektes, Birgit Schweikert, verkündet stolz: “Zuerst haben wir geändert, dass das Ganze nicht mehr Familienstreitigkeit heißt … Schon die Bezeichnung Familienstreit zeigt: das hatte keine hohe Priorität … Das ist jetzt anders: Für alle Einsatzpunkte gibt es Richtlinien und Empfehlungen, wie die Polizei vorgehen soll. Dass sie beispielsweise grundsätzlich die Wohnung betritt, um Beweise zu erheben.” (taz, 31.3.1999)

Mit dem grundsätzlichen Betreten der Wohnung ist es nicht getan. In Zukunft soll die Polizei von Amts wegen Anzeige gegen einen mutmaßlichen Täter erstatten, auch wenn das mutmaßliche Opfer, die Frau, dies gar nicht wünscht: “Einen Antrag auf Strafverfolgung braucht sie nicht zu stellen, da bei häuslicher Gewalt von der Antragstellung durch das Opfer abgesehen wird.” (Broschüre, BIG e.V., S.7) Begründet wird dies damit, dass ein “öffentliches Interesse” an einer Strafverfolgung bestünde. Die Polizei wird im Zuge der Kampagne gegen häusliche Gewalt dazu verpflichtet, überall Straftatbestände zu vermuten, ihnen nachzuspüren und sie zu ahnden. Die Konsequenz ist, dass sowohl Männer als auch Frauen bevormundet und überrannt werden.

Es war immer ein wichtiges rechtsstaatliches Grundprinzip, dass der Bürger Recht auf Schutz vor staatlicher Willkür hat, und gegen dieses Prinzip wird im Namen des Frauenschutzes verstoßen. Zudem hat die Darstellung von Frauen als passive “Opfer” etwas grundsätzlich anti-emanzipatorisches. Die Kreuzritter gegen häusliche Gewalt sehen Frauen, zu deren Schutz sie sich berufen fühlen, als grundsätzlich unfähig an, selbst Entscheidungen über das eigene Leben zu treffen.

Die neue Sensibilisierungskampagne gegen häusliche Gewalt betrachtet persönliche, intime menschliche Beziehungen zunehmend als inhärent bösartig. Streit und Versöhnung sind keine Privatangelegenheiten mehr, sondern staatsanwaltschaftlich zu verfolgende Kriminalität. Die Familie darf nicht mehr Zufluchtsort sein in einer ungnädigen Welt. Im Gegenteil, die neuen Hüter der Gerechtigkeit sehen gerade in der Familie die dunkle Seite des gesellschaftlichen Lebens, diejenige, die es ins ständige Scheinwerferlicht der Frauenschutztruppen zu zerren gilt. Die Privatsphäre wird zum Ort größter Gefahr erklärt, wo nicht nur Frauen, sondern auch Kinder zunehmenden Bedrohungen ausgesetzt sind. Der Kampf gegen häusliche Gewalt hilft niemandem. Er dient lediglich dazu, weiteres Misstrauen zwischen den Geschlechtern zu schüren.

Anmerkung: Sicher sind wir für eine klare Regelung, was Gewalt ist, und was nicht, und damit anderer Ansicht als die Autorin, doch sonst hat der Artikel trotz des “hohen Alters” von immerhin 7 Jahren nichts an Aktualität eingebüsst.