Der Senat in Hamburg will Lehrer zur Bekämpfung der Jugendgewalt stärker einbinden.
Künftig müssten die Schulen einen Gewaltvorfall auch sofort der Polizei und dem zuständigen Jugendamt melden, heißt es in einer Drucksache über ein „Handlungskonzept gegen Jugendgewalt“, die in der kommenden Woche im Senat beschlossen werden soll und der WELT ONLINE vorliegt. Damit wird auch die Schulhofrangelei zum Fall für den Staatsanwalt. Zudem sind bei der Staatsanwaltschaft der Hansestadt die Einrichtung eines weiteren Sonderdezernats für kriminell auffällige Jugendliche und die Einführung von „Täterakten“ geplant.
Insgesamt umfasst das Handlungskonzept neun Punkte. Die Umsetzung der Vorschläge werden der Drucksache zufolge die Stadt bereits im kommenden Jahr fast 2,4 Millionen Euro kosten.
Geplant ist zudem, erzieherische Maßnahmen an Schulen verbindlicher zu gestalten. Ferner will man „Coolnessgruppen“ oder „soziale Trainingskurse“ einführen und Auflagen für Schüler bei Unterrichtsausschluss genauer formulieren.
Gewalttaten unter Jugendlichen würden lediglich häufiger angezeigt als früher, erläuterte die Kriminologin Wiebke Steffen vom Bayerischen Landeskriminalamt in ihrer Expertise. Auch für eine Brutalisierung der Delikte und für ein Sinken der Altersschwelle gebe es keine Belege. Taten wanderten vom „Dunkelfeld“ ins „Hellfeld“ der Statistik, bestätigte der Vizepräsident des Bundeskriminalamtes (BKA), Jürgen Stock.Beim Präventionstag diskutieren Wissenschaftler und Praktiker aus dem In- und Ausland über die Verhütung von Jugendkriminalität. Selbstvertrauen und innere Stärke könnten vor einem Abgleiten in die Kriminalität bewahren, sagte der Tübinger Kriminologe Hans-Jürgen Kerner zur Eröffnung: „Viele jugendliche Gewalttäter spielen sich selbst Stärke vor – weil sie keine Selbstachtung haben und daher auch andere nicht achten können.“ Kerner plädierte für „Moralerziehung“: Erwachsenen müssten im Umgang mit Jugendlichen die Normen des Zusammenlebens einfordern und ein gutes Beispiel geben.
