Präventiver Rat will prügelnden Partnern Anti-Aggressions-Trainings anbieten. Das Konzept steht, doch es mangelt an Geld.
Wenn Männer ihre Frauen schlagen und es zur Anzeige kommt, läuft neben der strafrechtlichen die beratende Maschinerie an. Das neue Gewaltschutzgesetz trägt seinen Teil bei, Opfer zu stärken und ihre Peiniger wenigstens zeitweise auf Abstand zu halten. Gesetze ändern allerdings nichts daran, dass den meisten Frauen der Mut zur Trennung fehlt. Und zurück im alten Leben treffen sie auf einen Mann, der der gleiche geblieben ist. Alles beginnt von vorn. Der Präventive Rat hat ein Konzept in der Schublade, das an dieser Stelle einhaken soll. Allein: Es mangelt an Geld.
Wöchentliche Treffen, sechs Monate lang
„Soziale Trainingskurse – Täterarbeit bei häuslicher Gewalt”, lautet der Ansatz der Vorbeuge-Experten, der sich in seiner Konzentration auf die Täter unterscheidet von allem, was Oberhausen in diesem Bereich derzeit anbietet. In Gruppen von bis zu zehn Männern sollen die prügelnden Partner und Väter lernen, sich unter Kontrolle zu bekommen. Sozialpädagoge Reiner Gall vom städtischen Bereich Familie, Bildung und Soziales würde die wöchentlichen Treffen gemeinsam mit einem weiteren Anti-Aggressions-Trainer leiten, hat bereits Standards ausgearbeitet. Auch Polizei, Gericht, Staatsanwaltschaft und Wohlfahrtsverbände sind im Boot. „Alle stehen Gewehr bei Fuß”, sagt Frank Kegelmann, der in der Geschäftsführung des Präventiven Rates die Stadt vertritt.
Als im Mai 2008 die Idee geboren wurde, sei man noch davon ausgegangen, die Kommune könne das Vorhaben stemmen. Inzwischen aber sind die 14 000 Euro, die man für die ersten drei Jahre benötigt, zum unüberwindbaren Hindernis geworden. Die Stadt kann nicht zahlen – das Land will nicht: Das Familienministerium von Armin Laschet habe einen entsprechenden Antrag abgelehnt, sagt Kegelmann. Für konkrete Täterarbeit stelle man keine Mittel zur Verfügung, habe es geheißen, wohl aber für Vernetzung. Die allerdings haben die Oberhausener bereits eigenständig erledigt. Sogar ein Flyer war schon entworfen, den man Tätern an die Hand geben wollte.
„Wir machen uns keine Illusionen”, sagt Uwe Lichtenstein, Kriminalhauptkommissar und Geschäftsführer des Präventiven Rates. „Ein Kurs kann keine Einstellungen ändern.” Deshalb müsse man die Männer nach Ablauf der sechs Monate weiter betreuen, durch noch zu gründende Selbsthilfegruppen. In Düsseldorf habe man mit diesem Konzept gute Erfahrungen gemacht, konnte die Zahl der Fälle von häuslicher Gewalt senken. In Wesel allerdings, wo es ein ähnliches Angebot gibt, blieben zuletzt die Teilnehmer aus.
Die hiesigen Akteure sind dennoch zuversichtlich, dass im ersten Jahr 80 Männer mitmachen würden – freiwillig. Wer eine Anzeige bekam, den ließ die Polizei deshalb schon mal einen Fragebogen ausfüllen. Ergebnis: „Viele würden sich aus freien Stücken anmelden, weil sie selber erkannt haben ‘Ich muss da was tun’”, sagt Lichtenstein. Gleichwohl könne das Training auf lange Sicht auch im Strafverfahren eine Rolle spielen.
Ein Anti-Aggressions-Kurs als Pluspunkt im Prozess? Lichtenstein und Kegelmann wissen um die Vorbehalte gegen Konzepte wie das ihrige, das vermeintlich die Opfer ausblendet und den Tätern zum Vorteil gereicht. Doch selbst der Weiße Ring habe die Idee für gut befunden. „Wir tun ja auch etwas für die Opfer”, sagt Lichtenstein und meint damit nicht zuletzt die Kinder aus betroffenen Familien, die die gewohnte Gewalt für ihr eigenes Handeln übernehmen. „Wir versuchen, diesen Kreislauf zu durchbrechen – je früher, desto besser.
Es mutet wieder mal seltsam an: im Ruhrgebiet gibt es offensichlich keine Täterinnen – die Programme sind völlig überholt – 80! Männer melden sich freiwillig und die Sozialarbeiter sind ratlos – weil sie kein Geld bekommen.
Der Artikel zeigt, wie vorsintflutlich die Kenntnisse und Programme der vernetzten Täter-Opfer-Polizei-Justiz-Runden Tische sind. Dass es viel einfacher gehen würde, ist ihnen offensichtlich entgangen. Natürlich melden sich Täter und Täterinnen aus dem Dunkelfeld, wenn es passende Angebote gibt. Hier ist so eins: http://www.gewalthotline.eu.
Das funktioniert seit 20 Jahren. Übrigens auch im Ruhrgebiet- denn dort gibt es gleich mehrere Stellen.
Die Damen und Herren hätten sich so einfach informieren können.
