Welche Auswirkungen hat die Anklage bereits jetzt für Jörg Kachelmann?

Der Tagesspiegel berichtet:

Ob die juristische Wahrheit, die eines Urteils, am Ende die volle Wahrheit sein kann, steht auf einem anderen Blatt. Vergewaltigung ist ein schwer nachweisbares Delikt. Verletzungen kann man sich selbst zufügen, sie können auch Folge einvernehmlichen Geschlechtsverkehrs sein. Besonders bei Beziehungstaten kann es für Richter schwierig sein, sich ein Bild zu machen. Hinzu kommt eine strukturelle Schieflage. Der Angeklagte hat das Recht zu schweigen und darf – theoretisch – lügen, während das Opfer als Zeuge auftritt und wahrheitspflichtig ist. Unabhängig vom Geschlecht des Opfers kann es deshalb eine Tendenz geben, dem Opfer zu glauben. Kachelmanns Verteidiger werden viel dafür tun, die Glaubwürdigkeit der Zeugin zu erschüttern, sie haben bereits ein aussagepsychologisches Gutachten beantragt. Gesetzt den Fall, die Frau ist tatsächlich Opfer einer schweren Vergewaltigung, wird der Prozess eine erneute Härte für sie.

Ein Verlierer steht jetzt schon fest, es ist Jörg Kachelmann. Eine Hauptverhandlung könnte zu einem Tribunal über sein Privat- und Intimleben werden. Selbst bei einem Freispruch erster Klasse, wenn das Gericht beteuert, keine Zweifel an seiner Unschuld zu haben, wäre seine soziale Existenz ruiniert. Er könnte es ja doch gewesen sein. Es bleibt immer etwas haften.

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